Das Interieur der Fells
Das Interieur der Fells gleicht dem der anderen Britischen Native Pony-Rassen:
der Wille zu ÜBERLEBEN hat sich über Jahrhunderte entwickelt und ist durch
Zucht-Wahl verstärkt worden. Deshalb kann das Fell für unerfahrene und
unachtsame Menschen eine Herausforderung darstellen. Intelligenz, Neugier, Ausdauer, Selbstvertrauen, Verantwortungsbewusstsein und Mutwillen können
Fell-Eigenschaften sein, die unerwartete Herausforderungen darstellen können. Möglicherweise wird der absolute Wille zum Überleben verschwinden, wenn
das Fell fern seiner heimatlichen Berge gezüchtet und aufgezogen wird, bis heute
hat dieser Wille überlebt und muss respektiert werden. Für eine vernünftige Ausbildung der Fells sollte folgendes beachtet werden: Wer ein Fell ausbildet,
braucht eine kooperative und partnerschaftliche Einstellung dem Pony gegenüber.
Der ausgeprägte Überlebenswille kann zu einigen unerwarteten Reaktionen führen. Das Fell ist natürlicherweise muskulös und stark. Kein Mensch ist dem Pony in einer körperlichen Auseinandersetzung gewachsen. Die Verwendung schärferer Gebisse und Zwangsmaßnahmen sind generell kontra-produktiv, der Trainer hat intelligenter als das Pony zu sein und darf nicht versuchen, das Fell zu dominieren. Wie viele intelligente Pferde und Ponys sind Fells großartige Partner, sie werden sich
aber jedem Versuch, sie zu unterdrücken, widersetzen. Fells sollten nicht durch zu langes Training gelangweilt werden.10 Minuten sind lang für ein junges Fell – und
jung meint hier: jünger als 7 Jahre. Gelangweilte Fells werden sich etwas einfallen lassen, um das Leben etwas interessanter zu gestalten. Der Trainer/Besitzer wird ihre Einfälle nicht immer schätzen. Fells brauchen Beschäftigung. Über Jahrhunderte haben sie hart gearbeitet – sie sind keine Dekorations-Stücke oder „Rasenmäher“. Jeder, der ein Fell erwirbt, sollte sich dessen bewusst sein. Einige britische Züchter glauben, dass ein allzu frühes Handling der Fell-Fohlen nicht wünschenswert ist. Die Erfahrung dieser Züchter hat ihnen gezeigt, dass das nicht ge-handlete Tier einmal kämpfen und von da an die Überlegenheit des Menschen akzeptieren wird. Im Gegensatz dazu hat die Erfahrung gezeigt, dass ein allzu verwöhntes und sehr früh ge-handletes Fohlen sich selber kaum noch als „Pferd“ wahrnimmt. Das Training dieses Ponys kann schwierig werden, da es die menschliche Überlegenheit nicht einfach akzeptiert. Das Training eines solchen Tieres kann anfangs problemlos scheinen, die Auseinandersetzung wird später folgen. Nicht alle Fells sind für Kinder oder
ängstliche Reiter geeignet. Wie in allen Rassen gibt es für die beiden genannten Gruppen geeignete Individuen. Fells jeden Alters werden aller Wahrscheinlichkeit nach einen neuen Reiter „testen“. Auch dieses Verhalten ist in ihren Instinkten begründet. Merkt das Fell, dass es die alleinige Verantwortung trägt ( bei sehr jungen oder behinderten Reitern ) ist es in aller Regel absolut zuverlässig. Ist das Pony jedoch unsicher, ob der Reiter wirklich erfahren genug ist, Befehle zu erteilen, wird es zum Machtkampf kommen. Fells werden niemals Jemandem die Kontrolle überlassen, dessen Urteil sie nicht respektieren. Das ist keine Frage der physischen Stärke, von Bestechung oder Zwang, sondern von Urteilsvermögen und Kompetenz.
Die körperliche Entwicklung der Fells
Fell Ponys sind spät reif und keineswegs früher als 7jährig erwachsen. Darin gleicht es den anderen „British Natives“ und einigen europäischen Rassen, wie etwa dem Lipizzaner. In ihrer Heimat ist es der Mehrzahl der Fells noch möglich, bis zur Beendigung des 2. oder 3.Lebensjahres „frei“ zu leben. In den 80er und 90er Jahren war es für die Trainer im Eden Valley normal, 2 1/2 Jährige im Herbst aus den Bergen zu holen, sie zu handlen, halfterführig zu machen, ihnen ein Gebiss zu geben und sie an einen Gurt zu gewöhnen. Danach wurden die Ponys wieder in die Berge entlassen, um in der Gemeinschaft ihrer „Familie“ ohne weiteres Handling heranzuwachsen. Das relative frühe Training in dieser Form ist weder übertrieben noch schädlich, das Pony wird es jedoch nie vergessen. Das Reit-Training beginnt, wenn das Pony 4 Jahre alt wird, manchmal später. Dieses Training ist leicht: Stillstehen, auf gerader Linie Schritt-gehen oder traben, große Zirkel auf jeder Hand, kurze „canter“ unter einem leichten Reiter, keine Wechsel mit Ausnahme im Schritt oder Trab, all das ohne Schädigung (Dehnung ) der Wirbelsäule. Die Arbeit auf einem Reitplatz sollte in diesem Alter sehr kurz sein, scharfe Wendungen sind auf ein Minimum zu reduzieren. Das Fahr-Training ist gleich einfach in seiner Zielsetzung, obwohl es wegen des benötigten Geschirres etc., das das Pony akzeptieren muss, komplexer ist. Leichtes Fahren verhilft dem Pony zu einem Schatz an Erfahrung ohne Rücken und Gelenke zu überfordern.
Nicht zu behebender Schaden an sich entwickelnden Knochen, Gelenken und Muskeln kann durch allzu frühes Training oder Reiten entstehen. Dieser Schaden mag nicht sofort erkennbar sein, das Pony kann aber beispielsweise arthritische Erkrankungen in seinen frühen „Teenager“- Jahren entwickeln. Bei einem von Beginn an langsam und vorsichtig trainierten Pony wird man diese Erkrankungen kaum finden.
Hat das Pony das Basis-Training erfahren, schadet es nicht abzuwarten, bis es 5, 6 oder mehr Jahre zählt, bevor harte Arbeit von ihm verlangt wird – auf dieser Grundlage kann das Fell ausdauernd und gesund bis in seine Dreißiger hinein arbeiten, wenn es in seiner Jugend nicht überfordert worden ist. Obwohl „Unfälle“ vorkommen wird empfohlen, Fell-Stuten nicht zu decken, bis sie ZUMINDEST 3jährig sind – sonst sind Schädigungen an den inneren Organen, zu früh beendetes eigenes Wachstum der Stute und eine Reife-Verzögerung möglich.
Verfasser des Originals : Mrs. Millard, GB
Aus dem Englischen übersetzt von Barbara Müller, D
© Barbara Müller, April 2003